Liebe Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,

weil ich nach mehrfachen Entschuldigungen für die Wirkungen meiner umstrittenen Rede vom 3. Oktober 2003 auch unter Androhung des Ausschlusses aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nicht bereit war, die Rede als solche zurückzunehmen, wurde ich im Herbst 2003 aus der Fraktion und später aus der CDU ausgeschlossen. Der Versuch 2005 das Bundestags-Direktmandat im Wahlkreis Fulda als Unabhängiger zu gewinnen, brachte mit 39.000 Stimmen (gleich 22 %) lediglich einen Achtungserfolg. Seitdem habe ich vor allem meine Familie durch aktive Mithilfe unterstützt, was mir mehr als 20 Jahre wegen politischer Pflichten kaum möglich war. Gleichwohl beobachtet man gerade als Patriot mit Interesse und Sorge die Entwicklungen unseres Vaterlandes. Man stellt fest: der Politik fehlt es an langem Atem, am Blick für das wirklich Vorrangige. Was zählen sollte ist das Wohl unserer nächsten Generation. Politik für Deutschland muß aus der Perspektive der nächsten Generationen gemacht werden.

Hierzu drei Punkte:

1. „Demographie“: Der Trend zur stetigen Abnahme der Deutschen muß gestoppt und langsam umgekehrt werden. Die herkömmliche Familie ist nicht nur finanziell zu fördern, sondern vor allem in Anerkennung ihres unersetzlichen Dienstes aufzuwerten. Kinder müssen wieder als Segen und Reichtum begriffen werden. Wer sich als Mutter ganz den Kindern widmen will, darf keinerlei Nachteile erfahren, im Gegenteil: Dem Volkswachstum gebührt höchste Priorität; was ihm schadet, wird bekämpft. Der staatlich geförderten Abtreibung sind inzwischen mehrere Millionen Menschenleben in Deutschland zum Opfer gefallen. Sie ist ebenso zu beenden wie jede staatliche Unterstützung der Homosexualität einschließlich der sogenannten Homo-Ehe.

2. Die Staatsverschuldung beraubt die heranwachsende Generation ihrer wirtschaftlichen Chancen, ihrer ökonomischen Lebensgrundlagen. Die jetzigen Generationen betreiben ihren Konsum zu Lasten der künftigen. Die Altersbezüge von den Politikern sind zu kürzen, die die Schulden der öffentlichen Hand vermehren.

3. Der Abbau von moralisch-ethischen Maßstäben erschwert den Heranwachsenden die Orientierung für ein gelingendes Leben. Keine vorangegangene Generation mußte mit einer solchen Hypothek aufwachsen. Unsere Nachkommen werden also nicht nur dezimiert und mit Schulden überlastet, ihnen werden auch noch Mittel der persönlichen und gemeinschaftlichen Krisenbewältigung vorenthalten.

Was hilft?

Um es vorweg zu sagen: die Wiederentdeckung und Neubelebung christlicher Tugenden. Nun mag mancher sagen: ich pfeife auf den ganzen frommen Sermon. Von frommem Schmus halte ich auch nichts. Viel halte ich aber von der tiefen Vernunft, die in christlichen Grundentscheidungen liegt. Mit anderen Worten: Nicht nur weil sie christlich sind, sollten wir diesen Maßstäben folgen, sondern weil sie vernünftig sind. Vernünftig in dem Sinne, daß sie unser Überleben sichern. Nehmen wir als Beispiel die massenhafte Abtreibung in Deutschland. Von progressiven Kräften damals als großer Erfolg und Durchbruch zu mehr Freiheit gefeiert, zeigt sich immer mehr ihr „Kollateralschaden“, der die Anlage zum Desaster in sich trägt. Inzwischen fehlen durch Abtreibung mehrere Millionen Menschen in der Bevölkerungsstatistik. Sie fehlen als Verbraucher, als Steuerzahler und nicht zuletzt als Eltern. Durch Einwanderung schlecht oder nicht ausgebildeter Ausländer können sie keineswegs ersetzt werden.

Genauso schlimm wie der Verlust von Zukunftschancen durch Abtreibung ist der Verlust moralischer Maßstäbe. Tötung wurde staatlich erlaubt, wenn auch durch die Hintertür und mit der Gummiformel „rechtswidrig, aber straffrei“ versehen. Und jeder weiß: Es sind die Allerschwächsten, es sind die absolut Unschuldigen, die in unserm Land massenhaft vernichtet werden. Das blieb nicht ohne Folgen für das allgemeine Rechtsbewußtsein. Davon geht das Signal aus: Leben und Menschenwürde stehen zwar nominell an der Spitze der Werteskala unserer Verfassung, tatsächlich aber sind Lebensrecht und Menschenwürde millionenfach das Papier nicht wert, auf dem sie garantiert werden. Die Selbstdefinition als humaner Rechtsstaat erweist sich als größte Lebenslüge unseres Staates angesichts der Todesrate durch Abtreibung. Unser Land wird seine moralische Integrität erst dann wiedergewinnen und einen ersten Schritt weg von der demographischen Katastrophe vollziehen, wenn es die gegenwärtige Abtreibungspraxis entschlossen beendet. Dieses mag beispielhaft zeigen: christliche Verhaltensmaßstäbe sind vernünftig und sichern unsere Zukunft.

Ein weiterer Beleg sei noch angeführt: Auch wenn die gegenwärtigen Wirtschaftsdaten eine Besserung andeuten, so führt wegen der fehlenden Jugendlichen der Weg mittel- und langfristig durch ein Tal der Tränen. Zuwächse werden nicht mehr zu verteilen, Mangel wird zu verwalten sein, Verteilungskämpfe werden die Tagesordnung bestimmen. Nur die Bereitschaft zu Verzicht und Opfer werden das totale Auseinanderbrechen verhindern. Woher sollen diese heute fast unbekannten Tugenden kommen, wenn nicht aus christlichen Quellen? Es ist besser, das weniger Werdende ehrlich zu teilen, statt erbitterte Kämpfe darum zu führen. Das sagt die christliche ebenso, wie die sittliche und staatliche Vernunft.

Wir werden ohne eine positive Einstellung zu unserem Vaterland, zu Deutschland, die Zukunft nicht bestehen. Geschichte, Kultur und Sprache seines Landes kennen, Land und Leute mögen, sich für ihr Wohlergehen selbstlos einsetzen - das ist Patriotismus. Der muss eine Kraftquelle sein. Warum sollten gerade wir im harten globalen Wettbewerb auf diese Quelle verzichten? Wir haben ein Recht auf Politiker, die die deutsche Identität stärken. Unser Land braucht Aufbruchstimmung wie in den 1950er Jahren. Es lohnt sich, die Geschichte zu befragen, warum Deutschland um 1900 auf vielen Gebieten eine Weltspitzenstellung besaß. Und wie kam es, daß wir damals einen Geburtenüberschuß von jährlich über 500.000 hatten?

Zugleich gilt: unser Land braucht mehr Freiheit, Freiheit der Rede, Freiheit in der öffentlichen Auseinandersetzung. Die sogenannte Political Correctness (PC) dringt wie ein lähmendes Gift immer weiter vor. Was als Duckmäusertum und Untertanengeist früherer Zeiten kritisiert wurde, tarnt sich heute als „politische Klugheit“ und ist doch nur Angst vor den Tugendwächtern der „Political Correctness“. Wahrheit und Freiheit bedingen einander. Wenn der politischen Klasse heute so viel Verachtung entgegenschlägt, dann besonders wegen ihrer Kapitulation vor PC und wegen der angepaßten Politikersprache. Das Volk fühlt sich nicht ernst genommen und ohne realen Einfluß auf die Politik. Von hier droht der Demokratie als akzeptierter Staatsform eine große Gefahr. Diese läßt sich nur bannen, wenn der Meinungsfreiheit wieder der Rang eines unbestrittenen Muttergrundrechts eingeräumt wird. Was die Rede- und Meinungsfreiheit beeinträchtigt, gehört hinweggefegt, bevor es dem Land noch mehr schadet. Dann werden auch wieder mehr gutausgebildete, junge Deutsche in Deutschland bleiben und hier ihre Zukunft sehen.

Deutschland hat gute Chancen für die Zukunft und wir werden im Urteil der nächsten Generation gut dastehen, wenn Politik betrieben wird, die auf der Vernunft christlicher Lebensregeln beruht. Für mich ist die Entdeckung der zukunftsichernden Vernunft in der christlichen Religion Anlass zu Dank und tiefer Freude, die ich nicht für mich behalten will.